Wegscheider Josef

Geboren am: 28. September 1897 in Pobersach/Kärnten, Österreich
Beruf: Schuhmachermeister
wohnhaft in: Salzburg, Landstraße 15
verheiratet mit: Anna Wegscheider, geb. Hochgründler aus Kufstein, vergast im KZ Ravensbrück am 8. Juni 1942
Kinder: 2 Töchter, Gertrude, geb. 1929 und Elisabeth, geb. 1937
Die beiden Töchter wurden nach der Verhaftung der Eltern von Erwin Zeil aus Oberalm bei Hallein aufgenommen.
Gestorben am: erschossen am 26. September 1939 in Glanegg, Salzburg

Josef Wegscheider und Johann Pichler hatten den Militärdienst verweigert. Am 17. 10. 1938 wurde er zu acht Monaten Gefängnis wegen Gehorsamsverweigerung im Gefängnis Germersheim/Rhein (bis 26.5.1939) verurteilt.

Während der Gerichtsverhandlung am 26. September 1939 in Salzburg hatten der Richter und seine Beisitzer versucht, die Angeklagten umzustimmen. Er ließ auch die Frauen dieser Männer in den Gerichtssaal rufen in der Erwartung, dass die beiden durch ihr Erscheinen zum Nachgeben veranlasst würden. Aber es kam anders. Eine der Frauen, wahrscheinlich die Frau von Josef Wegscheider, äußerte Worte der Ermunterung und sagte: „Euer Leben ist in Gottes Hand.“ Das machte auf den Richter einen so tiefen Eindruck, dass er in großer Erregung mit seinen Fäusten auf den Tisch hämmerte und ausrief:

„Diese Menschen sind keine Kriminellen oder Verräter, sondern sie sind Angehörige einer Gruppe von Gläubigen, deren Zahl nicht auf zwei oder drei beschränkt ist, sondern in die Hunderte und sogar Tausende geht.“

Dessen ungeachtet verlangte das Gesetz das Todesurteil. (Die Todesurteile – allein aus dem Bundesland Salzburg wurden 8 Bibelforscher hingerichtet – erfolgten auf Grund der am 26. August 1939 erlassenen Kriegssonderstrafrechtsverordnung.)

[title size=“3″]Tag der Hinrichtung[/title]

An dem Tag vor der Hinrichtung wurden Wegscheider und Pichler wieder in ihrer Zelle besucht, und es wurde erneut versucht, sie umzustimmen. Auf die Frage hin, ob sie einen letzten Wunsch hätten, äußerten sie die Bitte, eine Bibel zu bekommen. Sie wurde ihnen vom Richter persönlich gebracht. Er beobachtete sie in der Zelle bis gegen Mitternacht, ging dann weg und bemerkte später: „Diese beiden Männer waren in ihren letzten Stunden mit ihrem Gott vereint. Sie waren wirklich heilige Männer!“

Die Hinrichtung verlief aber nicht so, wie es sich die Befehlshaber vorgestellt hatten. Die beiden zum Tod verurteilten Zeugen Jehovas erklärten, dass es unnötig sei, ihnen die Augen zu verbinden, doch es wurde trotzdem getan. Als dann der Schussbefehl gegeben wurde, weigerten sich die Soldaten zu schießen. Erst auf die zweite Aufforderung hin und nachdem man den Soldaten eindringlich vor Augen geführt hatte, dass sie selbst mit disziplinarischen Maßnahmen zu rechnen hätten, wenn sie nicht gehorchten, schossen die Soldaten auf die unschuldigen Männer.

Das Begräbnis erregt viel Aufsehen.
Nachdem die Hinrichtung am Schießplatz Glanegg vollzogen war, wurden die beiden Särge für eine private Beerdigung freigegeben. Ungefähr 300 Personen wohnten dem Begräbnis bei — natürlich unter strengster Polizeiaufsicht. Im Gestapobericht vom 29. 9. 1939 wird über dieses aufsehenerregende Begräbnis Folgendes berichtet:
„Etwa 90% der Trauergäste bestanden aus Frauen, die auffallend viele Kinder mit sich genommen hatten. Der Bibelforscher Alois Harasek hatte die Absicht, an den Gräbern ein Gebet zu sprechen und von den Anwesenden drei geistliche Lieder, die er dem Jehova-Gesangbuch entnommen hatte, singen zu lassen, was ihm aber untersagt wurde. Eine demonstrative Haltung nahm der Bibelforscher Rudolf Stonig, an, indem er mit lauter Stimme rief: „Ihr habt Gott mehr gehorcht als den Menschen!“
Das Gebet wurde schließlich durch die schroffen Worte eines Gestapobeamten unterbrochen, da es ihm zu lang erschien. Die Gestapo hatte es außerdem verboten, den Namen Jehova zu gebrauchen. Das hielt einen Glaubensbruder dennoch nicht davon zurück, beim Hinablassen des Sarges auszurufen: „Bis wir uns wiedersehn in Jehovas Königreich!“
Nachdem alles, was mit dieser Hinrichtung in Verbindung stand, in Salzburg bekannt geworden war, wurde jede künftige Hinrichtung von Zeugen Jehovas nach Berlin-Plötzensee in Deutschland verlegt.
Verhaftungswelle nach dem Begräbnis
Die Gestapo fotografierte bei diesem Begräbnis die anwesenden Zeugen Jehovas, die Blumen ins Grab warfen. Um Aufsehen zu vermeiden, verhaftete die Gestapo erst später diese Zeugen Jehovas.
Anna Wegscheider wurde am 11. November 1939 verhaftet und am 28. Dezember 1939 ins KZ Ravensbrück überstellt, wo sie am 8. Juni 1942 ermordet (vergast) wurde, weil sie laut Zeitzeugenaussagen Arbeiten für Rüstungszwecke verweigerte.
Die beiden Zeugen Jehovas Josef Wegscheider und Franz Pichler waren die ersten Zeugen Jehovas, die in Österreich wegen Kriegsdienstverweigerung hingerichtet wurden.

Für Josef Wegscheider wurde in Salzburg in der Landstraße 15 ein Stolperstein verlegt. www.stolpersteine-salzburg.at

Quellen:
Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1941, S. 177-178
Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1989, S. 119-121
Widerstand und Verfolgung in Salzburg II, S. 332, 350f., 611
Herrberger (Hg.)Denn es steht geschrieben: „Du sollst nicht töten.“, Wien 2005, S 416

Dokumente: Auszug aus Totenbuch
Bildmaterial: Porträt Josef Wegscheider, Johann Pichler

Überblick über die Gefängnisaufenthalte
17. 10. 1938 bis 26. 5. 1939, Militärgefängnis Germersheim/Rhein
1. 9. 1939, erneute Einberufung
26. 9. 1939, am Militärschießplatz Glanegg zusammen mit Josef Pichler erschossen


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