Mattischek Franz

Geboren: 25. März 1915 in Wolfsegg, Oberösterreich, Österreich

Hingerichtet: am 2. Dezember 1939 in Berlin-Plötzensee

 

Familie: Vater: Wolfgang Mattischek, geb. 1889, 1939 verhaftet, KZ Buchenwald, Wewelsburg, gest. um 1965

Mutter: Theresia Mattischek, geb, 8.9.1889, war von 1940 bis 1945 im KZ Ravensbrück, gest. 30.11.1959

Geschwister: Wilhelm Mattischek, geb. 15. Juni 1916 in Wolfsegg

Hubert Mattischek, geb. 29. Oktober 1919, gest. Juli 1997

Ernst Mattischek, geb. 23. Dezember 1923, gest. 2000, war kein Zeuge Jehovas und folgte der Einberufung zum Militärdienst

Die Eltern entstammten einfachen Verhältnissen. Franz Mattischek wurde am 25. März 1915 in Wolfsegg, Oberösterreich geboren. Ende 1918 wanderte die Familie in das Ruhrgebiet (Deutschland) aus. Der Vater, Wolfgang Mattischek, arbeitete bis 1928 als Kohlenbauer. Er hatte durch die schlimmen Erfahrungen im Ersten Weltkrieg seinen traditionellen Glauben an Gott fast zur Gänze verloren und kam dort mit den „Ernsten Bibelforschern“ in Kontakt.  1928 kehrte die Familie nach Österreich zurück und wohnte in Ottnang am Hausruck (Bezirk Vöcklabruck).

Franz Mattischek war Malergeselle bei der Firma Zauner in Vöcklabruck und wohnte in Attnang-Puchheim. Er verweigerte aus religiösen Gründen den militärischen Eid auf Hitler. 1939 wurde Franz Mattischek in das Gefängnis von Germersheim am Rhein eingeliefert und  daraufhin von einem Kriegsgericht zum Tode verurteilt. Seine Hinrichtung fand am 2. Dezember 1939 in der Strafanstalt Berlin-Plötzensee statt.

Franz Mattischek  schrieb Briefe nach Hause, die er mit schönen Aquarellen versah.

Am 1. Dezember 1939 – einen Tag vor seiner Hinrichtung – schrieb er einen ergreifenden Abschiedsbrief. Dieser erreichte die Mutter noch bevor sie selbst verhaftet wurde.

Meine liebe Mutter u. Ernst!

Sende Euch die allerherzlichsten Grüße, habe gestern Euer liebes Schreiben vom 23. November mit besten Dank erhalten. Freute mich sehr, daß Ihr daß meinige erhalten habt. Ihr wart ja schon, wie ich sah auf alles vorbereitet ist auch gut so. Will Euch aber schreiben, daß es erst heute – daß heißt morgen früh, soweit bin.  Liebe Mutter, ich bin nur noch einige wenige Stunden unter den Lebenden, aber morgen früh um 6 Uhr ist es so weit. Seid nicht traurig, ich glaube an meinen Gott und Christus,mein Leben; er wird mir beistehen bis ans Ende. Es kam mir selbst etwas plötzlich aber es muß ja sein.Wenn ihr jetzt mein Schreiben leset, so ist es für mich schon gesiegt. Ich habe mich in meiner und besonders in den letzten Stunden mit dem Schöpfer eng verbunden gefühlt und glaube, daß ichs mit klarem Verstand überstehen kann.

Ihr werdet ja auch erleichtert aufatmen, wennich zur göttlichen Ruhe gelangt bin denn ich habe mich ja einerseits schon danach gesehnt denn Vieles habe ich erlebt besonders die letzten Monate. Aber wenn ich mnuir vor Jehova Gnade gefunden habe, so ist alles gut. Denn all die Leiden, die mir widerfahren sind, habe ich Gott gegenüber Gehorsam gelernt und bereue es nicht, den so etwas hätte ich nie aushalten können ohne diesen Leiden. Es ist jetzt Freitag 9 Uhr abends, und ich sitze hier in meiner Zelle, und warte meiner letzten Stunden. Ich lege alles in die Hand des Höchsten er wird sich schon rechtfertigen. Ich hätte Euch sonst noch vieles zu sagen, aber ich glaube daß die Zeit nicht mehr fern ist wenn alle in „Fried und Freude“ beisammen sein werden und uns das Glück kein Mensch mehr entziehen kann. Ich habe auch besonders um Euch liebe Mutter,  viel gelitten, denn meine wahre Liebe zu Euch und immer die Sehnsucht nach Euch hat mir so viel schwere Stunden bereitet aber das zukünftige wird uns alles wieder bringen. Gedenket alle Zeit an Euren Franz, auch ich werde noch bis zuletzt bitten für Euch. Seid ganz still und behaltet alles für Euch. Ich habe ja in dieser Welt nichts mehr verloren und will auch nichts mehr. Ich lege alles in die Hände des Richters über die Lebenden und Toten der auch Christus vom Tod zum ewigen Leben zurückgerufen hat. Meinen lieben Vater und Willi und Hubert grüßt aufs herzlichste und sie sollen ebenfalls munter sein und nicht verzagen, damit wir uns wiedersehen werden. Ich habe immer für sie gebetet was auch sie nie unterlassen haben. Grüßt mir meinen lieben Freund Pepi u. Karl Zauner u. Onkel usw. An Zilli schreibe ich ebenfalls. Also liebe Mutter und Ernst, lebet Wohl, auf Wiedersehen. Euer Franz

(Anm.: auf eine Korrektur der Rechtschreibung in den Briefen wurde verzichtet)

Im Jahr 1998 erfolgt die Rehabilitierung von Franz Mattischek.


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